«

»

Sep 21 2011

Silent Hill 4: The Room

Silent Hill 4: The Room ist der vierte und vermutlich umstrittenste Teil der erfolgreichen Survival-Horror-Serie Silent Hill. Umstritten deshalb, weil es zwar in vielen Punkten dem Stil der Vorgänger treu bleibt, andererseits auch versucht neue Konzepte einzubringen. Dennoch fühlt sich The Room an wie echter Silent Hill-Teil und das, obwohl es ursprünglich nicht als solcher gedacht war. Silent Hill 4 wurde 2003 ungefähr zeitgleich mit Silent Hill 3 unter dem Arbeitstitel „Room 302“ entwickelt und erst während der Entwicklungsphase in die Reihe eingegliedert. Das Spiel sollte die Serie mit in eine neue Richtung führen. Eine der offensichtlichsten Neuerungen waren Spielabschnitte in der Ego-Perspektive.

Der Protagonist Henry Townshend zog vor zwei Jahren in Apartment 302 in South Ashfield Heights ein. Er lebte dort glücklich und zufrieden. Doch seit fünf Tagen wird er nächtens von Albträumen heimgesucht und er kann sein Apartment nicht mehr verlassen. Und das ist nicht nur so dahingesagt. Schwere Ketten sorgen dafür, dass sich die Tür nicht öffnen lässt, Telefon, Fernseher und Radio scheinen defekt zu sein und auch die Nachbarn, die an seiner Tür horchen, können Henrys Hilferufe nicht hören. Der einzige Ausweg aus dem heimischen Gefängnis scheint ein Loch zu sein, dass sich in der Wand seines Badezimmers aufgetan hat. Henry betritt das Loch und bahnt sich seinen Weg durch einen Tunnel, der scheinbar in eine andere Dimension führt.

Wer mit anderen Teilen der Serie vertraut ist, wird wissen, was ihn dort erwartet.

Silent Hill 4: The Room ist ein Spiel, dass in mir gemischte Gefühle weckt. Einerseits, macht es viele Dinge richtig. Die Story ist interessant, spannend und packend. Die Atmosphäre ist dicht und erfüllt die Erwartungen, die man diesbezüglich von einem Silent Hill-Nachfolger hat. Auch das Level- und Grafikdesign zeichnet es eindeutig als Teil der Serie aus. Der Soundtrack kommt wie gewohnt vom Produzenten des Spiels Akira Yamaoka. Es fühlt sich also an wie Silent Hill, es hört sich an wie Silent Hill und es sieht aus wie Silent Hill. Was gibt’s dann noch zu bekritteln?

Zwei Punkte sind mir besonders in’s Auge gestochen:
Einerseits der Hauptcharakter Henry Townshend selbst. Selten habe ich einen derart uninteressanten, uncharismatischen und langweiligen Charakter in einem kommerziellen Spiel gesehen. Und das sage ich ganz ohne zu übertreiben. Das ist teilweise die Schuld des Synchronsprechers, der bei jedem Satz so klingt, als hätte man ihn gerade aus dem Bett geholt und ihm dann zusätzlich gesagt, er solle möglichst gelangweilt sprechen. Microsoft Sam zeigt mehr Leidenschaft. Teilweise liegt das aber auch daran, dass die Entwickler Henry keine wirkliche Mimik gesponsert haben. Das resultiert darin, dass der Charakter während des ganzen Spieles so wirkt, als würde er neben sich stehen, keinerlei Interesse daran zeigen, was um ihn geschieht und von seinen Erlebnissen in der obskuren Dimension völlig kalt gelassen werden.

Der zweite große Kritikpunkt sind die Geräusche, die manche Monster von sich geben. So rülpsen Patienten („Patients“) munter vor sich hin, wenn man sie schlägt und Gum Heads verleihen dem Wort Großstadtdschungel (oder wahlweise Peter Fox’s „Stadtaffe“) eine neue Bedeutung. Das klingt vielleicht nach kleinen Details, doch diese Monster oder vielmehr ihre akustischen Absonderungen zerstören die Atmosphäre, die das Spiel so mühevoll aufgebaut hat. Ein weiterer Gegner der zwar nicht aufgrund von Geräuschen, sondern wegen seiner Existenz im Allgemeinen komisch wirkt und damit das Spielgeschehen in’s Lächerliche zieht, sind die Rollstühle, die wie durch Geisterhand von selbst durch einen Gang des Krankenhauses fahren. Diese Rollstühle und die bereits genannten Patienten, führen einen gesamten Spielabschnitt (die ansonsten sehr schön und interessant gestaltete Krankenhaus-Welt) derartig ad absurdum (und damit meine ich nicht die Silent Hill-typische Absurdität), dass einem nichts anderes übrig bleibt als darüber zu lachen, was garantiert nicht die Intention der Entwickler war.

Nebst diesen zwei großen Schwachstellen, kämpft der vierte Teil, wie auch seine Vorgänger, mit sehr steif und unbeabsichtigt komisch wirkenden Dialogen, die mich persönlich allerdings nicht besonders stören und meiner Ansicht nach zum Charme der Reihe beitragen. Bei The Room fallen die Dialoge aufgrund von Henrys genannten Eigenheiten einen Tick seltsamer aus, als man es gewohnt ist, bewegen sich aber in einem akzeptablen Bereich.
Die große Neuerung, die das Spiel mit sich brachte, nämlich die Ego-Perpektive in der man sich durch das Apartment selbst bewegt, fällt hingegen um einiges ernüchternder aus. Die Idee ist gut, nur leider etwas mangelhaft umgesetzt. Der Grundgedanke war, durch die Ego-Ansicht das Gefühl der Beengtheit, dass die Gefangenschaft in den eigenen vier Wänden mit sich bringt zu unterstützen beziehungsweise zu verstärken. Leider geben die eigenen vier Wände optisch nicht viel her, sondern bestechen (zumindest in der PC-Version) durch matschige und pixelige Texturen. Für mich ist High-End Grafik zwar keineswegs ein muss, doch die grafische Umsetzung wäre damals schon um ein vielfaches besser möglich gewesen.

Im Großen und Ganzen ist Silent Hill 4: The Room dennoch ein unterhaltsames Spiel, dass das Herz der Serie in sich trägt, wenn auch stellenweise nicht ganz am rechten Fleck.

<< Silent Hill 3Silent Hill: Homecoming >>

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.spielenwir.com/lets-play-silent-hill-4-the-room/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*

code